Sonntag, 31. März 2019, 10:00 Uhr

70 Jahre danach - Erster Gottesdienst in der erneuerten St.-Nikolai-Kirche im März 1949

Bei einem schweren Bombenangriff auf Spandau am 6. Oktober 1944 wurde auch der Turm von St. Nikolai getroffen. Er ging in Flammen auf. Die hölzerne Spitze stürzte nach der Nordseite herab, die Glocken durchschlugen alle Stockwerke, auch das Gewölbe der Turmhalle. Da man die Öffnung der Orgel zu den Blasebälgen nicht vermauert hatte, drang das Feuer in das Kirchenschiff ein. Die Orgel mit der Orgelempore und die Hälfte der Kirchenbänke wurden vernichtet. Alle Fenster wurden durch den Luftdruck herausgerissen. Die Gewölbe hielten stand. Durch die Hitze löste sich der Putz von den Wänden. Der Dachstuhl der Kirche aus dem 14. Jahrhundert, schon vorher durch einen Luftdruck völlig von Ziegeln entblößt, geriet in Brand, konnte aber gerettet werden.

Die Kirchenakten berichten: „Mit der Wiederherstellung der durch Kampfhandlungen zerstörten St.-Nikolai-Kirche wurde im Jahre 1945 begonnen. Im ersten Baujahr entstanden keine wesentlichen Kosten, da die Arbeiten – Enttrümmern, Aufräumungsarbeiten – zum Teil durch Selbsthilfe von Gemeindemitgliedern erledigt wurden. Der 1. Bauabschnitt begann somit im Jahre 1946. Das ganze Jahr war ausgefüllt mit der Reparatur des fast unversehrt gebliebenen Dachstuhls, an dem einige Brandstellen beseitigt werden mussten. Das Baujahr 1946/47 ging ein gutes Stück voran, als das Dach des Kirchenschiffs mit den durch die britische Militärregierung zur Verfügung gestellten 40.000 Dachziegeln eingedeckt werden konnte. Darüber hinaus konnte ausreichendes Material wie Zement und Kalk beschafft werden. Die Bauarbeiten waren inzwischen so weit vorangeschritten, dass bereits im Jahre 1947 die Vorarbeiten für den Innenputz ausgeführt werden konnten.

Mit der Innenausstattung wurde im Frühjahr 1948 begonnen, was bis zum September desselben Jahres andauerte. Die schützende Altarummauerung, für die rund 70.000 Kalksandsteine verbraucht worden waren, konnte entfernt werden. So war es möglich, den Fußboden bis zur Jahreswende durch die aus der Altarummauerung gewonnenen Kalksandsteine und mit vorhandenen alten Platten neu zu belegen.

Am 27. März 1949, dem Sonntag Lätare, konnte der erste Nachkriegsgottesdienst in St. Nikolai stattfinden – allerdings ohne Orgelklang. Auch für die Wiederherstellung des Turmes fehlte zunächst das Geld. Erst 1952 konnte der Turm mit einem provisorischen Zeltdach versehen werden; dieses wurde 1987 bis 1991 durch die Rekonstruktion der barocken Haube, die wir heute sehen, ersetzt. Mit dem Abbau der Nachkriegsorgel von 1956 und dem Einbau der neuen Eule-Orgel im Jahr 1996 waren die Wiederherstellungsarbeiten nach rund 50 Jahren abgeschlossen.

Am Sonntag Lätare („freue dich!“), 31. März 2019, werden wir im Gottesdienst der Wiedereinweihung der St.-Nikolai-Kirche im Jahre 1949 gedenken.

 Sabine Müller

Mitwirkende
Pfr. B. Borrmann, S. Müller
Ort
Ev. St. Nikolai-Kirche, Reformationsplatz, 13597 Berlin, Deutschland